Es gibt viele Menschen, die sich als völlig unkreativ bezeichnen. Ich denke allerdings, dass in jedem Menschen etwas ganz Besonderes steckt, was zu kreativen Leistungen führen kann. Man muss diese Kraft nur aus sich herausholen lernen. Denn Kreativität gehört zu den wichtigsten Kernkompetenzen im Marketing und zu den größten Erfolgsfaktoren in den meisten Unternehmen- auch außerhalb der Werbewelt. Wer seine Kreativität und Innovationsfähigkeit aus sich rausholt, ist erfolgreicher, anerkannter und hat mehr Spaß am Job.

7 Schritte zu mehr Kreativiät

1) Wer kein Feuer hat, kann nichts anzünden.

Kreativität ist harte Arbeit und muss man leben. Sie entsteht mit dem Kopf und dem Herzen. Deswegen bewegen gute Ideen nicht nur den Verstand sondern vor Allem auch die Emotionen der Zielgruppen. Wichtig ist, an der Sache, die man entwickelt, Spaß zu haben und auf seine Emotionen zu hören. Dazu muss man sich fragen: Kommen beispielsweise auch morgen noch große, positive Gefühle hoch, wenn man sich seine Lieblingsidee ein zweites oder drittes Mal einmal ansieht? Schlägt auch nach dem fünften Mal noch das Herz höher? Wenn ja, könnte die Idee gut sein. Als Kreativer muss man sich für alles interessieren, täglich seinen eigenen Horizont erweitern und den Kopf offen halten. Und muss sich selbst aus dem Weg nehmen, wenn man sich selbst im Weg steht, um so zu leben und das umzusetzen, wofür man ganz im Inneren brennt. Fazit:  Ohne Eigenmotivation, ohne Ziel vor Augen und ohne das Bewusstsein, warum diese Idee möglichst schnell umgesetzt werden sollte, kann man ebenfalls nicht kreativ arbeiten.

2) Wir leben nicht nur, um dahinzuleben. Sondern um die Welt ein wenig schöner zu machen.

Wichtig ist, die Welt nicht so hinzunehmen, wie sie ist und im Strom der Masse zu fließen, sondern alleine umzukehren, Fragen zu stellen, Zweifel zu haben, andere Perspektiven einzunehmen, an Alternativen und an das Unmögliche zu glauben. Nur wer sich und Anderen Fragen stellt und Antworten erhält, entwickelt sich und seine Kreation weiter. Wer nicht mutig genug ist, sich gegen die Masse zu stellen, anders zu denken, seinen eigenen Weg zu gehen und diesen mit überdurchschnittlicher positiver Energie zu leben, wird mit der Kreativität große Probleme haben. Oft sind die Leute am Kreativsten, die bewusst den Konflikt und die Provokation suchen.

3) Wer nichts sieht, bleibt in seinem eigenen Kosmos. Und kommt mit dem auch nicht voran.

Viele Inspirationen hat man nicht am Schreibtisch sondern auf der Straße, in Gesprächen mit interessanten Menschen, unterwegs im Alltag, unter der Dusche, auf Reisen oder vor dem Schlafen gehen. Denn nur neue Reize, Eindrücke, Informationen, neues Wissen, ein überdurschnittlich großes Allgemeinwissen und Bilder sind das Rohmaterial, um es neu zu kombinieren. Und wir kennen es alle: Man hat eine Idee und nächsten Morgen hat man diese wieder vergessen. Da ist es besonders wichtig, dass man immer ein Sketchbook, ein Smartphone zum fotografieren und filmen oder ein Diktiergerät dabei hat. Hat man leider nicht. Des Weiteren sollte man im Leben alles mal ausprobieren, um sich in seine Zielgruppen reinzudenken, überall mitreden zu können oder den Kopf frei zu bekommen. Ebenso ist es gut, mal einen anderen Weg zur Arbeit zu fahren als immer den Gleichen oder mit möglichst unterschiedlichen Menschen und möglichst verschiedenen pulsierenden Orten in der Großstadt seine Mittagspause zu verbringen, um im Alltag aus dem Alltag auszubrechen und das Gehirn belebt zu halten. Erleben statt nur leben, lautet hier das Motto.

4) Die erste Idee ist nicht gleich die Beste. Aber die 50. vielleicht.

Ein Briefing ist keine Fragestellung sondern eine Problemstellung, die nicht nach einer schnellen Antwort sondern nach einer durchdachten Lösung sucht. Wichtig ist, dass man sich nicht mit der ersten Lösung des Problems zufrieden gibt. Denn auf die erste Lösung kommt mit Sicherheit jeder, weil sie meistens nahe liegt. Deswegen muss man ganz viele Ideen produzieren, um vergleichen und beurteilen zu können, welche Idee stark und welche weniger stark ist, wo Markenwerte des Kundens stecken und wo eher nicht, welche Idee ungesehen und überraschend ist und welche man schon tausendfach gesehen hat. Fazit: Man kommt nur zur guten Idee, wenn man vorher viele Ideen produziert hat.

5) Regeln sind da, um gebrochen zu werden. Und um sie neu zusammenzusetzen.

Zumindest in der Kreativität. Man muss sich frei von den alten Verhaltensmustern und dem jahrelang anerzogenem Denken machen, um Neues zu kreieren. Dabei sollte man im Leben mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen,  Dinge und Gespräche aufnehmen und weiterentwickeln, sich ein großes und vielfältiges Allgemeinwissen aneignen und immer offen und flexibel bleiben. Kreativität bedeutet nicht nur ungesehene Ideen zu erzeugen, sondern sich auch von der Normalität, den Regeln und Zwängen, die uns die Gesellschaft vorlebt und wir strikt gelernt haben, zu trennen. Oft ändern sich Gesellschaftswerte schneller, als man bewusst bemerkt und daraus ergeben sich neue Trends in der Gesellschaft.

6) Mache es, wie Du Dich am Wohlsten fühlst. Denn da bist Du am Produktivsten.

Manche Menschen sind Nachtmenschen und arbeiten gerne bis 2 Uhr an einer Idee mit 100% geistigen Fähigkeiten. Andere sind Morgenmenschen und stehen lieber um 6Uhr auf, um früh morgens an der Idee weiterzuarbeiten, für die sie brennen. Des Weiteren kann der eine besser mit dem Fernseher oder Musik im Hintergrund Ideen produzieren, der Andere bei völliger Stille, der dritte in einem bunten, zugeklebten Raum, der vierten in weißen Raum mit völlig kahlen, leeren Wänden. Wir haben alle ganz verschiedene Vorlieben beim arbeiten, die unsere Kreativität optimieren oder reduzieren. Viele Menschen merken auch, dass man in der Routine bleiben muss, kreativ zu sein und es nach 6 Wochen Urlaub schwerer ist, wieder gute Ideen zu produzieren, als wenn man es ein paar Mal die Woche regelmäßig in der Kreation machen muss.

7) Für Kreativität braucht man nicht viel. Man braucht Vertrauen, Leichtigkeit und keine Uhr.

Wichtig ist, dass man weiß, dass man in der Kreativität völlig uneingeschränkt ist und keine Fehler machen kann. Man muss dem Fakt vertrauen, dass alles erlaubt ist und ohne Angst sondern mit einer kindlichen Leichtigkeit, die man sich oft innerlich erst einmal zurückholen muss, an eine kreative Problemlösung gehen. Wenn man nicht so einfach zu einer Idee kommt, muss man sich etwas Zeit geben. Eine gute Idee kann aus einem Moment heraus kommen und man darf sich kein Zeitlimit geben. Wer also um 18 Uhr seinen Stift fallen lässt und Ideenfindung auch nicht weiter fortsetzt, obwohl Abgaben drängen, seinen Kopf an der Agenturtür ausschaltet und die Agentur verlässt, ist in einer Kreation eher falsch aufgehoben, denn man kann nicht die Uhr nach der Kreativität stellen. Sie kann einen unverhofft überall und jederzeit am Tag oder sogar im Schlaf überraschen.

Eines der Ikonen in der Kreativ-Branche ist der Regisseur Christoph Schlingensief. Er hat vor seinem Tod der SPEX ein sehr schönes, lesenswertes Interview gegeben und hat vielen Menschen mit seiner stets ehrlichen, sympathischen und herzerwärmenden Art Transparenz in seine individuelle, alltägliche Kreativarbeit geschenkt und eben auch ein Bild dargestellt, wie er sich als Kreativer fühlte, wie er am Besten arbeiten konnte, dass einem viele Hochs und Tiefs in der kreativen Alltagsarbeit begegnen und dass es ihm auch nicht immer leicht fiel, jede Idee einfach mal so umzusetzen. http://www.schlingensief.com/weblog/index.php?p=611

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