E-Mail Marketing Agentur

Versandtools (II): Wer sagt E-Mail Marketing muss teuer sein?

Wir haben in unserem vorangegangen Teil zur E-Mail Versandtool-Landschaft in deutschen Landen einen kurzen Ein- und Überblick darüber gegeben, welche Lösungen es gibt, wie diese kategorisiert werden können und wie sich der Markt in den letzten Jahren entwickelt hat. Heute widmen wir uns eingehender den Anbietern von Email-Versandsoftware oder -Systemen, die als Zielkunden Startups und E-Mail-Marketing Beginner haben. Die Gemeinsamkeit dieser Systeme ist, dass sie auch für den kleinen Geldbeutel zu haben sind und somit ideal für Onlineshops oder Blogs die gerade erst anfangen und noch keine professionelle Versandlösung oder Agentur finanzieren können oder wollen.

Dabei sein ist alles! Ein kostenloses Tool ist nicht leicht zu finden

Interessanter Weise ergibt sich bei einer Google-Suche nach einer kostenlosen E-Mail Versandsoftware ein sehr diffuses Bild. Sowohl kostenlose Testaccounts von professionellen Systemen, als auch die deutsche Post mogeln sich in die Ergebnislisten. Es ist also gar nicht so einfach, als Startup überhaupt einen Überblick zu bekommen und einen entsprechenden Anbieter zu finden. In unserer Analyse werden wir nach einiger Recherche die folgenden Systeme begutachtet:

  1. Webservices – Pre-Paid oder Abomodell (rapidmail, Newsletter2go, CleverReach, Mailchimp)
  2. Software mit Installation (Sendblaster, SuperMailer free version)
  3. WordPress-Plugin (Newsletter)

Die Verteilung dieser Dienste spiegelt hierbei nicht maßgeblich die tatsächliche Verteilung am Markt wider, sondern dient lediglich der Simplifizierung des Tests und zur Darstellung möglicher Unterschiede zwischen den einzelnen Services. Alle Tools werden auf folgende Bestandteile hin geprüft:

  • Preis/Leistungsverhältnis
  • Bedienbarkeit
  • Einsatzmöglichkeiten im E-Mail Marketing
  • Stolperfallen und Grenzen

Um das nicht zu sehr in die Länge zu ziehen und eure Augen zu schonen, gehe ich heute erst einmal nur auf die Online-Tools ein. J

TEIL 1: Online-Tools – 1-2-3 los!

Der Ansatz der Webservices funktioniert eigentlich wie bei jedem Online-Shop: kostenlose Accounts tun ja nicht weh – nach kurzer kostenloser Registrierung kann man schließlich selbst einmal die (un)begrenzten Möglichkeiten kennen lernen. Die Versandlösung ist E-Mail-basiert und variiert in Umfang und Komplexität. Nur 3 von den 4 untersuchten Programmen sendet eine Email-Bestätigung für die Anmeldung. Der amerikanische Dienst Mailchimp verzichtet darauf, was für Passwortvergesser wie mich nicht sonderlich hilfreich ist. Dafür wird eine Herz-und Nierenregistrierung  für die korrekte Erstellung eines Impressums des Verssenders sofort abgefragt. Drei der Dienste bieten auch gleich erste Hilfe per E-Mail an, allerdings fragt nur einer ab, ob dies wirklich gewünscht ist. Der Start ist also schnell gemacht.

Vom Preis-Leistungsverhältnis erscheint auf den ersten Blick alles super, denn alle sind ja schließlich kostenlos. Weit gefehlt. Während bei rapidmail nur 10 Empfänger pro Mailing wirklich umsonst angeschrieben werden können, sind bei Mailchimp bis zu 2000 Empfänger und bis zu 12.000 Emails im Monat for free im Account enthalten. Im reinen Versandvolumenvergleich siegt Mailchimp also um einige Längen:

Kostenlose E-Mail Software Anbieter - Online Tools im Vergleich: Versandvolumen*rapidmail ist auf Grund der Skalierung nicht sichtbar. Keine Begrenzung entspricht einer leeren Spalte (newsletter2go, rapidmail).

Auch was die Feature-Versprechen angehen, sind die Tools recht unterschiedlich. Aber eines vorweg: die Basics (Empfänger importieren, Newsletter erstellen, Newsletter versenden und KPIs auswerten) können sie alle! Eine lange Liste an Features bietet newsletter2go auf den ersten Blick, bei der aber nicht so recht ersichtlich ist, was davon in der kostenlosen Variante enthalten ist (denn Full-Service E-Mail-Marketing ist ja kein Sofware-Feature, oder?). Wenn man also nur nach Masse geht, sind Cleverreach und newsletter2go weit vorne:

Kostenlose E-Mail Versandtools im Vergleich: Online Anbieter und die Features die sie bewerben

Bei genauerer Betrachtung interessant ist aber, dass trotz dieser augenscheinlichen Unterschiede bei der Bedienung der Oberflächen keine großen Unterschiede auffallen. Das liegt vor allem daran, dass cleverreach jede einzelne Anbindungsmöglichkeit (zu jedem Shopsystem) als extra Feature ausweist und Mailchimp mehrere Features mit einem umschreibt oder als selbstverständlich integriert.

Bei den Details trennt sich dann die Spreu vom Weizen: So bieten z.B. nur rapidmail und mailchimp an, direkt An- und Abmeldeformulare im Tool zu konfigurieren. Weitere nette Features die hervorstechen:

  • Mobile Verwaltung und mobile Inhalte (signup forms & templates) bei mailchimp
  • Social-Integration (cleverreach & mailchimp)
  • ESG-Listenabgleich bei rapidmail (für Österreichische Versender interessant)
  • Realtime Statistik (rapidmail)
  • Deutsche Server und CSA Zertifizierung (newsletter2go)
  • RSS-Feed Anbindung (mailchimp und cleverreach)
  • Google Analytics Integration (cleverreach und newsletter2go )
  • Deliver by time-zone ( mailchimp)

Alle Dienste bieten A/B-Splittests und einfache Segmentierung sowie die individuelle Listenkonfiguration mit zusätzlichen Feldern an. Auch die Anbindung an die eigene Webseite über eine API wird von allen unterstützt.

Bei der Bedienbarkeit  schneiden alle recht gut ab und hier ist wohl das Geschmäcklerische entscheidend für den Benutzer. Alle 4 Anbieter haben eine übersichtliche Navigation und ein Dashboard, das mehr oder weniger hilfreiche Tipps zum Start gibt. Dieses ähnelt auch den sonst am Markt gängigen professionellen E-Mail Versandtools.

kostenlose E-Mail Versandtools: rapidmail dashboard beispiel

kostenlose E-Mail Versandtools: newsletter2go dashboard beispiel kostenlose E-Mail Versandtools:mailchimp dashboard beispiel kostenlose E-Mail Versandtools: cleverreachdashboard beispiel

Mailchimp ist allerdings nur in englischer Sprache zu haben und einige Features sind nicht auf den ersten Blick, sondern nur im Prozess der Mailerstellung erkennbar (z.B. das Konfigurieren eines Signup-Formulars). Bei allen Anbietern wird das Erstellen einer E-Mail durch einen Wysiwyg-Editor und Vorlagen erleichtert, wobei sich die Reihenfolge der Erstellung jedoch unterscheidet.

Etwas unglücklich ist, dass man bei rapidmail erst beim Erstellen einer Nachricht – also quasi kurz vor dem Versand – erfährt, dass der Account erst verifizieren werden muss und man somit die 10 Empfänger, die kostenlos angeschrieben werden könnten, noch nicht mit einer Email beglücken kann. Auch newsletter2go verifiziert den Account – weist aber auf dem Dashboard schon darauf hin.

Alle Tools bieten, wie schon erwähnt, eine Basisaustattung, mit der Newsletter erstellt, versendet und gemonitored werden können. Um wirklich E-Mail Marketing zu betreiben, braucht man aber dann doch den einen erwähnenswerten Unterschied: Bei newsletter2go kann vor Versand auf das E-Mail Nutzerverhalten eingegangen werden, was auch kleine Life-Cycle-Kampagnen möglich macht. Cleverreach bietet auch eine abgespeckte Form dessen an – den Autoresponder, der auf Registrierung oder Kauf getriggert werden kann. Mailchimp lässt sich dieses Feature hingegen bezahlen und rapidmail hat es gar nicht im Portfolio.

Damit sind auch schnell die Grenzen der Online- Tools erreicht. Keine CRM-Matrix, kein dauerhaftes Automatisches Versenden und Optimieren auf der Basis von Nutzungsverhalten oder Aktivität in größer angelegten Kampagnen und keine Landingpages oder Anbindung an und Reaktion auf andere/r Kanäle. Jedoch ermöglichen alle Tools solides Basis-E-Mail-Marketing mit allen Funktionen, die verhindern, dass ein naiver Versender zum Spammer wird (in der Ausführung jedoch sehr unterschiedlich). Die einzige Stolperfalle, wenn man sie denn so nennen will, ist die Bezahlschranke, die bei jedem Tool unterschiedlich transparent dargestellt wird. Aber wirklich versteckt ist diese bei keinem Anbieter. Auch die (eventuell nicht vorhandene) CSA Zertifizierung und der Amerikanische Serverstandort könnte einem ernsthaften und wachsendem Startup Probleme bereiten, wenn dies nicht mit den Datenschutzbestimmungen konform ist oder sich negativ auf die Zustellbarkeit auswirkt. In den Tests hat sich das allerdings nichts dergleichen bemerkbar gemacht.

Alles in allem sind also auch kostenlose Services wirklich performante Tools, die teilweise auch für den gehobenen Anspruch etwas parat haben und einfach zu bedienen sind – von überall auf der Welt, wo ein Internetanschluss parat und das Passwort nicht vergessen ist. Wir sind gespannt ob sich in diesem Markt noch einiges tut und wie die Downloads und Plugins im Vergleich dazu abschneiden.

Maraike Schulz

Über Maraike Schulz

Ich bin ins kalte Wasser gesprungen vor 9 Jahren und habe mich nach und nach an das Thema E-Mail-Marketing herangetastet. Dabei habe ich bei der netnomics GmbH die verschiedenen Kanäle des Online-Marketings kennen gelernt: SEM, SEO, Affiliate und natürlich immer mehr den Star der Performance: E-Mail. Das Ganze sowohl für das B2B als auch das B2C Umfeld und mit wachsender Begeisterung. Kein Medium was so lange überlebt hat, trotz dem es schon mehr als einmal tot geglaubt wurde.

Versandtools (II): Wer sagt E-Mail Marketing muss teuer sein?: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
3,67 von 5 Punkten, basierend auf 6 abgegebenen Stimmen.
Loading...

4 Kommentare zu Versandtools (II): Wer sagt E-Mail Marketing muss teuer sein?

  1. Maximilian Modl
    7. Januar 2014 um 10:07 Uhr (6 Jahren ago)

    Danke für den interessanten Artikel!

  2. Ralf Seeger
    7. Januar 2014 um 11:07 Uhr (6 Jahren ago)

    Wir haben früher auch Mailchimp benutzt – waren auch zufrieden. Im Zuge der ganzen NSA Affäre sind wir dann aber zu einem deutschen Anbieter gewechselt.
    Auf Emailtooltester (http://www.emailtooltester.com/newsletter-tools/) haben wir einige Anbieter verglichen und sind letztendlich bei Newsletter2Go (http://www.newsletter2go.de) gelandet, da uns hier das Feature Set einfach am meisten überzeugt hat.

  3. Selin Erdogan
    27. Februar 2015 um 10:19 Uhr (4 Jahren ago)

    Ich habe die Software MailKitche (www.mailkitchen.com/de) neulich getestet. Die Software ermöglicht bis zu 15.000 E-Mails an bis 5.000 Abonnenten jeden Monat kostenlos zu versenden. Außerdem bietet das Unternehmen sehr attraktive Preise an und regelmäßige Sonderangebote von -70% bis – 80%. Meiner absoluter Favorit im Bezug auf Preis-Leistungs- Verhältnis.
    Die Software ist in 6 Sprachen verfügbar, auch in deutsch und ohne Programmierkenntnisse nutzbar, außerdem kann man sein Abonnement jederzeit bei MailKitchen kostenlos kündigen, kann ich nur empfehlen.
    Hier noch einmal der Link (www.mailkitchen.com/de)

  4. Stefan
    Stefan
    2. März 2015 um 09:28 Uhr (4 Jahren ago)

    Danke für den Tipp. Die Software schauen wir uns gerne einmal an.

Kommentiere