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Soziale Netze: In sechs Schritten um die Welt?

Die Welt ist ein Dorf- wieso sollte man sonst einen alten Schulfreund in einem kleinen Imbiss im Urlaub treffen?  Laut dem Psychologen Stanley Milgram ist jeder Mensch auf der Welt mit jedem anderen Menschen über eine überraschend kurze Kette von Bekanntschaftsbeziehungen verbunden.

Das Kleine-Welt-Phänomen

Für das Experiment im Jahr 1967 erstellte Milgram eine Art Informationspaket für 60 zufällig ausgewählte Probanden in den USA. Diese sollten das Paket einer vorher festgelegten Zielperson weiterleiten. Die Zielpersonen waren den Probanden natürlich nicht bekannt. Deshalb sollten sie das Paket an eine „Zwischenperson“ aus ihrem Bekanntenkreis weiterleiten, von denen die Testpersonen annahmen, dass sie der Zielperson näher stehen könnten. Diese Zwischenpersonen leiten das Paket dann unter denselben Vorgaben weiter. Alle Daten der verschiedenen Stationen wurden festgehalten, analysiert und ausgewertet. Tatsächlich wurde eine zufällige Pfadlänge von sechs Personen errechnet. Das heißt, dass laut Auswertung tatsächlich jeder jeden über sechs Ecken irgendwie kennt. Insgesamt erreichten aber nur drei Pakete (von anfangs 60) die Zielpersonen. Doch Milgram stand hinter seiner Theorie der „Kleinen-Welt“ und konzipierte somit im zweiten Jahr ein weiteres Experiment mit 296 versendeten Paketen, wovon immerhin 64 ihr Ziel erreichten.

Experiment - Soziale Netze Verbindungen

Das postulierte Phänomen von Milgram wird allerdings auch in vielerlei Hinsicht kritisiert. Mit 64 angekommenen Paketen ist das Experiment nur bedingt reliabel. Dass die Probanden das Paket einem von ihnen ausgewählten Bekannten schicken konnten, meinen Kritiker, könnte das Ergebnis verfälscht haben (es könnte ja sein, dass ein anderer Bekannter die Zielperson kannte). Allerdings finde ich diesen Kritikpunkt nur wenig plausibel. In einem experimentellen Design sollten zwar alle Störvariablen so gut es geht eliminiert werden, nur ist die Frage, ob dieser Punkt tatsächlich als eine solche Störvariable angesehen wird. Meiner Meinung nach nicht. Der Mittelwert von sechs Durchschnittskontakten sagt ja nicht aus, dass jede Person sechs Zwischenkontakte braucht. Beim einen sind es möglicherweise nur vier, beim anderen sind es eventuell sogar neun. Dennoch: Das Kleine-Welt-Phänomen war geboren und beschäftigt die Forscher bis heute.

Ebenso beschäftigten sich 2003 Duncan Watts, Peter Sheridan Dodds und Doby Muhamad mit diesem Phänomen . Das Experiment von Milgram wurde in einer ähnlichen Art wiederholt, aber nicht mit Paketen, sondern mit E-Mails. Hierbei wurden über 60.000 Nachrichten an 18 Zielpersonen in 13 verschiedenen Ländern versandt. So entstanden erstaunliche 24163 Kommunikationsketten. Trotz der großen Wegstrecken, die zum Teil zurückgelegt wurden, lag der Durchschnittswert wieder bei rund sechs Personen.

Unglaublich sagt ihr? Aber so eindrucksvoll ist das Ergebnis eigentlich nicht: Nehmen wir an, jeder hätte 43 Bekannte und jeder dieser Bekannten wiederum 43, dann würde man über etwa sechs Ecken fast 6,3 Milliarden Menschen zu entfernten Bekannten zählen dürfen, was fast die gesamte Weltbevölkerung abdeckt. Der Haken dabei: die Kommunikationsstränge würden natürlich an irgendeinem Punkt unweigerlich scheitern. Aus diesem Grund erreichten im E-Mail Experiment wahrscheinlich auch nur 384 von 24163 angefangenen Ketten das Ziel. Trotzdem war das Ergebnis ein wichtiger Faktor in der Forschung, da es die früheren Ergebnisse von Milgram bestätigte und belegte.

Nur vier Schritte für Facebook

Aber wie verhält sich das Kleine-Welt-Phänomen in sozialen Netzwerken? Das wohl auffälligste Merkmal internetbasierter sozialer Netzwerke ist der Wegfall von räumlichen Barrieren. Wir können zu jeder Zeit mit jedem Menschen auf der Welt kommunizieren. Durch Datensysteme lassen sich Beziehungen zwischen Nutzern besser analysieren als früher- dann müsste sich doch das Phänomen eigentlich verstärken oder? Und es stimmt tatsächlich.

Der Softwareanalyst Lars Backstrom und sein Forscherteam untersuchten 2011 sämtliche Verbindungen aller Facebook-Mitglieder. Zum Zeitpunkt der Analyse gab es ca. 721 Millionen Nutzer, die insgesamt 69 Milliarden Verbindungen hatten. Die Wissenschaftler ließen diese riesige Datenmenge analysieren und stellten fest, dass sich die einzelnen Nutzer auf Facebook im Durschnitt über vier Kontakte kannten. In der Presseerklärung , die das Datenteam von Facebook veröffentlichte, war daher die Rede von „four degrees of seperation“. Eine, wie ich finde erstaunliche Veränderung. Aber das Ergebnis macht meiner Meinung nach Sinn: durch soziale Medien wie Facebook können wir Bekannte viel schneller abrufen als früher. Ein kurzer Blick in die Freundesliste genügt und wir haben einen Überblick über unsere Bekanntschaften aus aller Welt. Früher hingegen, konnten diese Kontakte gar nicht so schnell abgerufen werden, da man für einen Brief viel mehr Informationen braucht, als für eine Facebook Nachricht.

Natürlich ist eine Verallgemeinerung nicht nur bei diesem Thema, sondern bei allen Studien in der Psychologie nicht möglich. Aus diesem Grund wäre es auch überspitzt zu sagen, dass wirklich jeder jeden über sechs, vier oder acht Ecken kennt. Dennoch ist die Welt ist eben doch kein ein Dorf. Wer es nicht glauben möchte, der testet das Ganze am besten selbst aus. Hier könnt ihr den kürzesten Weg zu 2 von euch eingegebenen Autoren testen.

Weitere Quellen:

 

Lara Dilger

Über Lara Dilger

Ich studiere Wirtschaftspsychologie im fünften Semester an der Fachhochschule Fresenius in Hamburg und interessiere mich sehr für die psychologischen Hintergründe der Werbung und deren Wirkung auf jeden von uns.
Aus diesem Grund habe ich meine Schwerpunkte auf Markt-, Werbe- und Medienpsychologie und Communication Management gesetzt. In beiden Schwerpunkten habe ich vieles über die Verknüpfung von psychologischen Modellen in der Werbung gelernt und wie die Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden möglichst interaktiv und vor allem attraktiv gestaltet wird. .

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